Offener Brief von Bischof Dieser an Landrat Pusch

Fr 20. Mär 2020
Sonja Nebe

Offener Brief zur Krise durch die Ausbreitung des Corona-Virus


Sehr geehrter Herr Landrat Pusch,


die Menschen im Landkreis Heinsberg durchleben derzeit die tiefgehende Krise durch die
Ausbreitung des Corona-Virus in Deutschland in vorderster Reihe.


Durch den unermüdlichen und hochprofessionellen Einsatz, den Sie als Landrat persönlich leisten in steter und enger Zusammenarbeit mit Ihrem Krisenstab, können die Erfahrungen, die Sie in Heinsberg mit den Belastungen durch das Virus machen, für unser ganzes Land als Orientierung dienen.


Ich möchte Ihnen und den Menschen im Landkreis Heinsberg in diesem offenen Brief meine tief empfundene Solidarität, Anerkennung und Dank aussprechen.


Besonders beeindruckt mich Ihre unablässige Öffentlichkeitsarbeit, durch die Sie den Menschen Mut machen, Orientierung und Aufklärung gewährleisten und dadurch Ängste und panische Verhaltensweisen abbauen und vermeiden. Sie tragen damit in einer anschwellenden Krisensituation ganz entscheidend zum Gemeinwohl bei und helfen vielen Menschen, sich in ihren Fragen und Sorgen nicht verlassen und unversorgt zu erfahren.


Gerne greife ich eines Ihrer Worte auf, das Sie jüngst gegen die Gefahr wechselseitiger
Beschuldigungen und Ausgrenzungen sehr treffend geprägt haben: „Das Medikament heißt Solidarität, Mitgefühl und nicht Ausgrenzung“.
Ich bin überzeugt, dass Sie persönlich, Herr Landrat Pusch, für diese heilende Haltung ein sehr glaubwürdiges Vorbild geben, und ich rufe dazu auf, sich Ihrer Haltung anzuschließen.
Durch aktive Unterstützung der Hilfsbedürftigen, durch die Einhaltung der Schutz- und
Vorsorgemaßnahmen und die durchgehende Bemühung um Gelassenheit und Konsequenz können die Gesunden den Kranken und die Starken den Hilfsbedürftigen Halt und Trost sein.

Als Bischof verspreche ich Ihnen und den Menschen im Kreis Heinsberg und im ganzen Bistum Aachen mein fürbittendes Gebet.

Auch wenn durch die nötigen Maßnahmen gegen die Krise derzeit die Gottesdienste im ganzen Bistum reduziert werden, nur noch von Wenigen mitgefeiert werden können oder ganz abgesagt werden müssen, lade ich doch alle Gläubigen ein, füreinander zu beten.
Ich bin überzeugt, im Gebet liegt die Quelle des Gottvertrauens, das uns klug und mutig zugleich macht.
Unser Leben liegt in Gottes Hand.
Doch die aktive Sorge füreinander wird dadurch nicht gemindert, sondern zu einem Zeichen unseres Gottvertrauens.


Mit freundlichen Grüßen

Ihr
+ Helmut Dieser

Bischof von Aachen